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Das erste Praktikum: 5 Punkte, die dir die Türen zu deinem ersten Praktikum öffnen werden



Das erste Praktikum ist in vielerlei Hinsicht ein entscheidender Schritt während des Studiums. Man erfährt aus erster Hand, wie Gelerntes aus dem Studium im Praxisalltag gelebt wird und verdient zum ersten Mal, abseits der Ferienjobs zu Schulzeiten, sein erstes Gehalt. Vor allem kann das Praktikum ein wichtiger erster Schritt für die zukünftige Karriere sein, denn man knüpft Kontakte zu einem potenziellen Arbeitgeber und kann von diesen Banden langfristig profitieren. Worauf es bei der Auswahl - von Unternehmen, Projekt oder Zeitpunkt - ankommt, handelt der dieser Blogeintrag.


Punkt 1: Das Unternehmen


Du kannst das erste Praktikum als einen Einstieg, einen Türöffner betrachten. Es ist eine Chance, etwas über Dich und deine Ziele und Wünsche in Erfahrung zu bringen und ebenso, einen potenziellen Arbeitgeber von deinen Qualitäten zu überzeugen. Denn ist einmal der Fuß in der Tür und Du hast einen guten Eindruck hinterlassen, wird man sich auch in ein, zwei Jahren noch an dich erinnern und dir eventuell sogar den Berufseinstieg erleichtern. Da Praktika auch nicht in unbegrenzter Zahl in den Zeitplan des Studiums passen, stellt die Wahl des Unternehmens einen wichtigen Teil dar, auf den auch zukünftige Arbeitgeber genau schauen werden. Niemand erwartet von Dir, dass Du gleich bei Berkshire Hathaway, Google oder den Top Strategieberatungen einsteigst. Das ist auch relativ unwahrscheinlich, weil diese meist eine gewisse Vorerfahrung voraussetzen. Nur welche Vorerfahrung ist relevant und was macht man, wenn man noch gar nicht weiß, wohin es gehen soll?


Wenn Du weißt, wo Du mal hin willst…

Angenommen Du hast einen großen Traum von einem Unternehmen, bei dem Du später gerne einmal arbeiten wollen würdest. Du hast auch eine ziemlich genaue Vorstellung, wie die Tätigkeit aussähe, Produktmanagement beispielsweise. Und trotz dessen, dass Du so viel Arbeit in deine Bewerbung für ein erstes Praktikum gesteckt hast, wurdest Du nicht einmal zu einem Interview eingeladen. Das ist durchaus wahrscheinlich, weil Top Arbeitgeber tausende Bewerbungen auf einzelne Stellen erhalten und dementsprechend genau auswählen können, welche Bewerbung der Idealbesetzung entspricht. Wie also kann man hier seine Chancen für den zukünftigen Erfolg steigern? Indem Du dich fragst, welche Erfahrungen relevant sind für die Stelle!


Betrachte es wie eine Leiter, die es Stufe zu Stufe zu erklimmen gilt und am Ende steht die Festanstellung. Dazwischen liegen die Praktika, die Sprossen deiner Leiter, die idealerweise auf dein Ziel einzahlen. Und auch wenn dein erstes Praktikum nicht bei diesem Wunschunternehmen ist, kannst Du sicherstellen, dass die Erfahrung die Du sammelst, relevant ist. Dies kannst Du auf zwei Ebenen angehen: funktional und industriespezifisch.


Angenommen Du würdest gerne bei Porsche im Produktmanagement arbeiten. Dann kannst Du einerseits eine ähnliche Tätigkeit in einem anderen Unternehmen suchen (funktional) und über das Produktmanagement Erfahrung sammeln. Oder Du startest dein erstes Praktikum in der Automobilbranche, beispielsweise bei einem Zulieferer (industriespezifisch). Auch hier sind diese Erfahrungen hilfreich, da Du einen Teil der Wertschöpfungskette bereits kennengelernt hast und Beziehungen der Marktteilnehmer besser verstehst als jemand, der absolut branchenfremd ist. Idealerweise kannst Du diese beiden Ebenen sogar in deinem Praktikum kombinieren und so eine sehr ähnliche Tätigkeit ausüben zu der, wie Du sie Dir vorstellst. Du wirst feststellen, dass bei der Bewerbung für dein zweites Praktikum dir damit schon mehr Türen offen stehen werden als zuvor. Und wenn es ein drittes Praktikum braucht, bis Du aus Sicht des Unternehmens genug relevante Erfahrung für eine Einladung gesammelt hast - Fakt ist, dass über dieses Vorgehen deine Chancen von Mal zu Mal steigen werden.

An der Stelle möchten wir dich ebenso ermutigen dieses Vorgehen als groben Leitfaden zu betrachten, bewerben kann man sich trotzdem überall, auch bei den großen Unternehmen und einen Versuch ist es immer Wert. Als kleinen Tipp können wir hier dennoch empfehlen, bei der Bewerbung in Stufen vorzugehen. Wenn Du zuerst Bewerbungen an die Unternehmen versendest, bei denen Du am ehesten verkraften könntest eine Absage zu erhalten und Dir deine absoluten Träume für den Schluss aufbewahrst, erhältst Du die Chance bei den Interviews und Einstellungstests zu lernen und zunehmend auch besser zu werden, um zum Schluss am meisten von diesen Erfahrungen zu profitieren.


Wenn Du noch nicht genau weißt, wo es einmal hingehen soll…

Auch das ist total legitim und trifft eher auf den Großteil der Studenten zu, also keine Panik. Ein Praktikum soll ja auch zum Ausprobieren dienen. Aber auch hier gilt, dass Du die Chance eines Praktikums nicht einfach so verstreichen lassen und dich ernsthaft fragen solltest, inwiefern Du zukünftig von den Erfahrungen profitierst. Aus Bequemlichkeit heraus solltest Du in keinem Fall die Wahl treffen.


Wenn Du also wenig Vorstellung hast von deinem zukünftigen Job, sind kleinere Unternehmen und Start-ups ein spannender Startpunkt. Speziell in letzteren bekommt man wegen der kleinen Teams einen tollen Überblick über die grundlegenden Funktionen eines Unternehmens und bekommt auch eine breitere Rolle mit mehr Verantwortung zugeteilt, als es in tradierten Unternehmen der Fall gewesen wäre, da man sich eine Spezialisierung wie in großen Unternehmen schlicht noch nicht leisten kann.


Generell kann man sagen, dass Du für das erste Praktikum mit generalistischer ausgelegten Rollen eine bessere Grundlage für deine weiteren Bewerbungen haben wirst. Du vergrößerst dadurch deinen zukünftigen Handlungsspielraum und es wird, auch wenn deine Interessen sich ändern sollten und Du vielleicht doch statt bei BMW in der Unternehmensberatung starten möchtest, deine Erfahrung aus dem Praktikum als relevant anerkannt. Solche Positionen sind typischerweise im Business Development (Unternehmensentwicklung) zu finden.


Hier bearbeitet man Projekte die generell dem Ziel dienen, das Unternehmen wirtschaftlich voranzubringen, entweder über Prozessoptimierung, der Integration eines weiteren Geschäftsfeldes, der Analyse von Wettbewerbern usw. Eine sehr vielfältige Tätigkeit also, die bei einer großen Zahl an Anschlusspositionen als relevante Erfahrung anerkannt wird.


Ebenso gilt dies für die Position des Unternehmensberaters. Hier bekommst Du sehr schnell viele Einblicke in Projekt- und Stakeholdermanagement, Arbeiten unter Zeitdruck und viele nützliche Tipps und Tricks um effektiver zu arbeiten, bspw. Im Umgang mit Excel und Powerpoint. Von diesen Erfahrungen kann man in fast jedem zukünftigen Beruf zehren. Kleinere Nischenberatungen (auch Boutiquen genannt) stellen teilweise auch Praktikanten ohne Vorerfahrung ein.


Punkt 2: Der Zeitpunkt


Das erste Praktikum wird sehr stark vom Studiengang und -plan beeinflusst, da die Unis meist bereits innerhalb eures Studiums einen Zeitpunkt für Praktika vorgesehen haben. Manche Studiengänge räumen einem im Bachelor nur ein Praxissemester ein und lassen zwischen den Semestern nicht genug Zeit, selbstständig aktiv zu werden und diese Zeit für ein Praktikum zu nutzen. Das ist erstmal nicht weiter schlimm, aber grundsätzlich solltest Du versuchen, so früh wie möglich Praxiserfahrung zu sammeln.


Denn egal ob Du schon eine konkrete Vorstellung hast, wo Du später einmal arbeiten möchtest oder dich noch ausprobieren willst: nur die Praxis und der Einsatz vor Ort verraten dir, ob deine Vorstellungen auch mit der Realität übereinstimmen. Scheue dich deshalb nicht, in einem ersten Schritt mit deinem Prof oder der Studienleitung in Dialog zu gehen um gemeinsam zu überlegen, inwiefern das Studium um frühzeitige oder weitere Praxisphasen erweitert werden kann. Wenn das nicht die gewünschten Resultate erbringt, haben wir noch vier Tipps, wie Du trotzdem zu deinen Praxiserfahrungen kommen kannst:


1. Den Anfang des Semesters verpassen

Aus persönlicher Erfahrung wissen wir, dass Semester eher hinten heraus dazu tendieren, stressiger zu werden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ebenso die Chance besteht, ein paar Wochen zu Beginn gegen etwas Geld und Erfahrung einzutauschen. Du kannst also versuchen, dein Wunschpraktikum in die Semesterferien zu legen und ein paar Wochen Überschneidung mit dem Semesterbeginn in Kauf zu nehmen. Natürlich bedeutet dies eine höhere Belastung, da es den verpassten Stoff aufzuarbeiten gilt, aber was tut man nicht alles für den Traumjob?


2. Werde Werki!

Das Sammeln von relevanter Praxiserfahrung geht nicht nur über ein Praktikum. Du kannst ebenso über eine Werkstudententätigkeit einen Fuß in die Tür bekommen. Das tolle ist, dass diese Tätigkeit freier in der Zeiteinteilung ist und Du parallel zum Studium arbeiten kannst. Werkstudentenstellen werden meist auf 6 Monate ausgeschrieben, werden aber auch verlängert wenn man sich etabliert hat.


3. Vor dem Auslandssemester

Wenn bei Dir ein Auslandssemester auf dem Programm steht, hast Du gute Chancen auch hier deinen Zeitplan effektiver zu nutzen. Da die Semester an den verschiedenen Partneruniversitäten im Ausland in den seltensten Fällen alle zum gleichen Zeitpunkt beginnen, lässt Dir deine Universität eventuell ebenso etwas mehr Luft als üblich und startet das Semester ebenso später. Das bedeutet, dass Du auch hier ein Praktikum in die nun verlängerten Ferien einplanen kannst.


4. Nimm ein Urlaubssemester

Das klingt erst einmal nach einem großen Schritt, das Studium zu unterbrechen für ein Praktikum. Aber manchmal ist es der letzte Ausweg, wenn sich beispielsweise im Bachelorstudium einfach kein Platz in der Regelstudienzeit bietet. Deshalb musst Du dir aber keine Sorgen machen. Eine Überschreitung der Regelstudienzeit macht unter Umständen sogar sehr viel Sinn, wichtig ist nur, dafür eine klare und logische Begründung präsentieren zu können. Wenn man also mit einem spannenden Projekt aufwarten kann, welches man (nur) in dieser Zeit bearbeiten konnte oder sich durch ein zusätzliches Praktikum auf einem weiteren Gebiet weitergebildet hat, wird sich kein Arbeitgeber an dem zusätzlichen Semester stoßen.


Punkt 3: Der Inhalt


Ähnlich wie bei der Auswahl des Unternehmens solltest Du dich fragen, woran Du Spaß hast und was Du dir später einmal als zukünftige Tätigkeit vorstellen könntest. Auf dieser Basis solltest Du Dir die Praktikaauschreibungen angucken und für dich selektieren, welche Projekte und Tätigkeiten auf deine Interessen einzahlen. Dabei ist die Relevanz der Tätigkeit genauso wichtig wie die Auswahl des Unternehmens an sich. Diese korreliert in der Regel mit der Länge des Praktikums.


Kurze Praktika bergen oft das Problem, dass man nur einen Aspekt einer Tätigkeit kennenlernt oder den Teilabschnitt eines Projektes. Oft übernimmt man den Staffelstab von einem ausscheidenden Praktikanten oder bekommt eine Aufgabe, die wenig Einarbeitungszeit erfordert. Darauf solltet ihr euch im Idealfall aber nicht einlassen. Am meisten lernst Du, wenn Du an eigens durchgeführten Projekten wächst und Erfahrungen sammelst, natürlich unter der Obhut deines Vorgesetzten. Diese haben in der Regel eine Dauer von mindestens 2-3 Monaten, einfach weil kleinere Projekte diese Lebensdauer besitzen.


Wenn Du also die Möglichkeit bekommst, den Marktlaunch eines Produktes eigenständig zu gestalten oder potenzielle Wachstumsfelder für einen neuen Geschäftsbereich zu analysieren, dann solltest Du zuschlagen, weil diese Tätigkeiten viel Lernpotenzial bergen. Auf der anderen Seite ist es ratsam, einen Bogen um Praktika mit Beschreibungen wie „Unterstützung bei administrativen Prozessen“ oder „Unterstützung / Mitarbeit bei der Erstellung von monatlichen…“ zu machen. Hier besteht die Gefahr, dass Du in eine Position gerätst, bei der Du vornehmlich repetitive Aufgaben bearbeitest und somit wenig lernst. Dabei bedenken solltest Du jedoch auch, dass es wiederum dein erstes Praktikum ist, sprich deine Erfahrungen wollen auch erst gesammelt werden. Daher ist es wahrscheinlich, dass zumindest ein Teil deiner Tätigkeiten repetitiv sein wird.


Achte einfach darauf, dass ein gesunder Mix aus Aufgaben besteht und Du nicht jeden Tag den gleichen Report erstellst. Sei deshalb nicht scheu und frage gern auch beim potenziellen Arbeitgeber nach. Sei kritisch und stelle klar, dass Du gerne an einem Projekt bzw. eigenverantwortlich arbeiten und so viel wie möglich aus dem Praktikum ziehen möchtest. Der Arbeitgeber wird Dich für deine Ehrlichkeit respektieren und deine Reife und Zielstrebigkeit anerkennen.

Punkt 4: Die Bezahlung


Auch wenn es schmerzt, die Bezahlung sollte nicht der vornehmliche Grund des Praktikums sein beziehungsweise eure Entscheidung für oder gegen die Stelle beeinflussen. Grundsätzlich gilt, wenn Du im Rahmen eines Pflichtpraktikums arbeitest, hast Du keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Dies gilt ebenso für freiwillige Praktika mit einer Dauer von weniger als drei Monaten.


In der Regel haben größere Arbeitgeber trotzdem fixe Stundensätze für eure Arbeit, die sich zumindest am Mindestlohn orientieren. Dieser liegt gegenwärtig bei 9,35 EUR. Zuletzt gibt es auch noch eine große Spanne abhängig von der Industrie, in der ihr tätig seid. So stellen Unternehmensberatungen und Wirtschaftsprüfungen mit etwa 1.400 EUR brutto die Spitze dar, die Industrie Energie, Bau- und Rohstoffe mit etwas über 800 EUR brutto das Schlusslicht.


Durchschnittlich werden fast 1.100 EUR brutto vergeben. Und Und auch wenn es wie ein schwacher Trost klingt: Vergesst nicht, dass die Kontakte und die Erfahrung, die ihr über das Praktikum gewinnt, als auch die Möglichkeit, einen potenziellen Arbeitgeber von euch zu überzeugen, eine wirklich wertvolle Chance darstellt.


Punkt 5: Die Stellensuche


Zu guter Letzt: Wie kommst Du denn nun an dein Traumpraktikum? Da gibt es verschiedene Anlaufstationen. Einerseits kannst Du Dich auf dein Netzwerk berufen. Du kannst Kontakte deines Profs, der Studienleitung oder des Carreer Centers anzapfen, in deinem Bekanntenkreis nachfragen oder auf deine*n Mentor*in von Legatum setzen.


Das funktioniert gut, wenn Du bereits eine konkrete Vorstellung hast und einen Ansprechpartner in einem konkreten Unternehmen suchst oder eine Zielbranche hast, in der Du arbeiten möchtest. Wenn Du dich eher inspirieren lassen möchtest, dann gibt es neben den gängigen Jobportalen wie stepstone, monster, xing oder der Arbeitsagentur auch die Möglichkeit, dich auf Jobmessen, Univeranstaltungen oder wiederum bei deiner Studienleitung beraten zu lassen. Universitäten bekommen ebenso häufig Stellen zugespielt und vermitteln diese an ihre Studierenden.


Zuletzt kannst Du ebenso Unternehmen direkt anschreiben. Insbesondere bei größeren Unternehmen gibt es häufig in der Karriere-Sektion einen separaten Reiter für Praktika, da hier der Bedarf konsistent hoch ist. Habe also keine Bedenken, das Unternehmen direkt zu kontaktieren und ein Gespräch zu vereinbaren. Wir wünschen Dir in jedem Falle bestes Gelingen und viel Erfolg!