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Der Trick, um die Frage “Warum möchtest du bei uns arbeiten?” zu beantworten - mit Beispielen

“Warum möchtest du bei uns arbeiten?” - Eine Frage, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in deinem Bewerbungsgespräch aufkommen wird. Allzu oft werden hierauf Standardantworten gegeben, die nicht spezifisch genug auf das Unternehmen zugeschnitten sind, wodurch wertvolle Chancen vertan werden sich zu profilieren.



Wir von Legatum sind alle schon einmal in dieser Situation gewesen, sowohl vor als auch hinter dem Schreibtisch. Deswegen wollen wir dir in diesem Artikel einen Trick verraten, der dir helfen wird, eine herausstechende Antwort zu liefern. Weiterhin beschreiben wir in dem Artikel, woher Du die Informationen zur Beantwortung der Frage beziehen kannst und wie beispielhafte Musterantworten aussehen können.


Struktur der Antwort: das Unternehmen und Du

Bevor wir auf dir den Trick verraten, wollen wir kurz auf die Art und Weise eingehen, wie du deine Antwort strukturieren solltest.


Generell gilt:

  • Du solltest versuchen, drei Gründe für das Unternehmen in deiner Antwort zu nennen.

  • Für jeden dieser Gründe solltest du begründen, warum er für dich wichtig ist.

  • Deine Antwort sollte nicht länger als ca. 2 Minuten sein.


Bei den Gründen solltest du versuchen, ein möglichst breites Spektrum abzubilden. Weiter unten beschreiben wir fünf Kategorien, anhand derer du Unterschiede zwischen Unternehmen feststellen kannst. Wir empfehlen dir, deine drei Gründe für das Unternehmen von jeweils unterschiedlichen Kategorien zu nehmen.



Der Trick

Der Trick in der Beantwortung liegt darin, die Frage mental umzuformulieren. Die Frage, die du eigentlich beantworten willst, ist: “Was unterscheidet das Unternehmen von der Konkurrenz?”


Du weißt, dass du eine gute Antwort hast, wenn der Interviewer nicht mit der Nachfrage “Und warum möchtest du dann nicht bei [Konkurrenz] arbeiten?” antworten kann.


Diese Unterschiede zwischen Unternehmen festzustellen kann manchmal ganz schön schwierig sein und die Besonderheiten liegen oft im Detail. Was ist schon der Unterschied zwischen Daimler/BMW/Volkswagen oder McKinsey/Bain/BCG oder Amazon/Google/Facebook oder Deutsche Bank/Commerzbank/Credit Suisse?


Prinzipiell kannst du die Unterschiede anhand des Unternehmens, z.B. in Form von Marktführerschaften, Organisationsstruturen, Karriereförderung oder der Kultur & Mission sowie an der Stelle, auf die du dich bewirbst, festmachen.


Doch was, wenn es keine Konkurrenz gibt? Die Kategorien kannst du trotzdem nutzen. Nehmen wir die Deutsche Bahn als Beispiel. Die Deutsche Bahn hat eine dominierende Stellung im Schienenpersonenverkehr. Die sich daraus ergebenden Besonderheiten kannst du wunderbar in deiner Antwort verwenden: “Der Schienenpersonenverkehr spielt eine wichtige Rolle im Wandel zur nachhaltigen Mobilität. Die Deutsche Bahn ist der führende Anbieter in dem Segment und spielt dadurch eine bedeutende Rolle im Klimawandel. Dies ist äußerst spannend und motivierend für mich”.


Hier sind ein paar Beispiele, für jede fünf oben genannten Kategorien:


Marktführerschaft:

  • Größe des Unternehmens (Umsatz oder Kapitalisierung)

  • Anzahl der Kunden oder User

  • Industrie-Rankings und Leader Boards (insb. für Banking)

  • Wachstumsraten

  • Märkte (z.B. weltweit, Asien-Fokus, etc.)

  • Marktanteil

  • Fokussierung/Spezialisierung (z.B. zeb für Banken-Beratung)

  • etc.


Organisationsstrukturen:


Karriereförderung:

  • Mentoring-Programme

  • Aufstiegsmöglichkeiten

  • Bildungsprogramme (wird z.B. ein MBA-Studium oder eine Promotion gefördert?)

  • Exit-Optionen

  • etc.


Kultur & Mission:


Position bzw. Stelle, auf die du dich bewirbst:

  • Aufgabenfelder (z.B. eine Vermischung von Business Development & Operations in einer Position)

  • Zusammenarbeit mit anderen Teams

  • Größe des Teams

  • Sichtbarkeit zum Management

  • Strategischer Wert der Position

  • Verantwortungsbereich

  • etc.



Wo du Infos finden kannst

Einige dieser Informationen wirst du recht schnell online finden. Manche Infos wirst du jedoch nicht bekommen, ohne mit einem Insider zu sprechen. Im Folgenden beschreiben wir daher drei Quellen, die du zusätzlich zu der Internetsuche nutzen kannst/solltest.

Netzwerk

Die mit Abstand wichtigste Quelle für Informationen über einen potentiellen Arbeitgeber sind Bekannten, Kommilitonen oder Alumni, die bei dem Unternehmen arbeiten (oder gearbeitet haben). Wir empfehlen unseren Mentee daher, aktiv das Legatum Netzwerk zu nutzen.


Der Vorteil von Insidern ist, dass sie das Unternehmen und dessen Besonderheiten sehr gut kennen. Weiterhin haben sie auch den Bewerbungsprozess selbst erfolgreich bestanden und können dir somit weitere Tipps geben.


Ein weiterer extrem wichtiger aber oft nicht richtig genutzter Vorteil von direkten Kontakten beim Unternehmen ist, dass du in deinem Bewerbungsgespräch und speziell bei der Beantwortung der Frage “Warum unser Unternehmen” auf deinen Kontakt verweisen kannst. Es macht einen wesentlich besseren Eindruck zu sagen “Auf Grund meines Gespräches mit Maxi Mustermann weiß ich, dass bei McKinsey die Unternehmenswerte wirklich gelebt werden und sie nicht nur Worte auf der Website sind.” als lediglich sagen zu können “McKinsey zeichnet sich durch ein dynamisches und kundenorientiertes Umfeld aus, was sehr attraktiv für mich ist”.


Website und Präsentationen des Unternehmens

Der Internetauftritt des Unternehmens, bei dem du dich bewirbst, kann eine gute Quelle für Nachforschungen sein. Auf der Website solltest du Informationen zu spannenden Projekten, Kultur & Werten sowie aktuelle Neuigkeiten des Unternehmens finden.


Eine weitere gute Quelle für Informationen von Aktiengesellschaften sind die Jahresabschlussberichte oder Investor-Relations Präsentationen. Denn im Grunde dienen diese Dokumente dazu den Investoren zu zeigen, dass die eigene Firma besser ist als die Konkurrenz.


Kununu / Glassdoor

Auf den Seiten von Kununu und Glassdoor können Mitarbeiter und Bewerber über ihre Erfahrung in Unternehmen sprechen. Kununu hat zum Beispiel vor kurzem das Feature “Unternehmenskultur” eingeführt. Diese Seiten können eine tolle Quelle für deine Nachforschung sein und dafür, einen besseren Eindruck von dem potenziellen Unternehmen zu bekommen. Nichtsdestotrotz würden wir davon abraten, diese beiden Seien direkt auch in einem Bewerbungsgespräch als Quelle zu nennen.



Putting it together: Beispiele

Nun möchten wir die Struktur und den Inhalt der Antwort zusammenbringen und einige Beispiele aus unterschiedlichen Industrien durchgehen.


Beispiel 1: Big Tech - Amazon Interviewer: “Warum willst du bei Amazon arbeiten?” Interviewee: “Amazon ist mit einem Umsatz von 280 Mrd. € und einer Marktkapitalisierung von rund 1,6 Billionen € eine der größten Firmen der Welt, wodurch es bei jeder Entscheidung um Millionenbeträge geht. Es motiviert mich total an Entscheidungen arbeiten zu können, die so einen großen Einfluss auf die Firma, Kunden und den Markt haben können. Weiterhin fasziniert mich, wie bei Amazon diese Entscheidungen getroffen werden. Ich bin selbst jemand, der sich komplexe Sachverhalte aufschreibt, um dann genau die Annahmen prüfen zu können. Daher weiß ich, dass der PR FAQ Prozess von Amazon sehr gut zu mir passt. Der dritte Grund ist der, dass Amazon sich ständig neu erfindet und nie aufhört, nach neuen Lösungen zu suchen, wie man z.B. an dem Aufbau eines eigenen Auslieferungsservice sehen kann. Ich möchte gern bei einem Unternehmen arbeiten, was sich ständig hinterfragt und wo ich meine eigenen Ideen einbringen kann.”


Beispiel 2: Banken - Rothschild

Interviewer: “Warum möchtest du bei uns arbeiten?” Interviewee: “Rothschild hat in 2019 die meisten M&A Deals im Mid-Cap Segment durchgeführt. Zum einen finde ich Mid-Cap super interessant und zum anderen weiß ich, dass ich durch den hohen Deal-Flow die Möglichkeit haben werde an Live-Deals zu arbeiten. Außerdem ist Rothschild ein unabhängiger Berater ohne eigenes Balance Sheet und unterliegt dadurch auch nicht dem Druck, bestimmte Deals durchführen zu müssen. Dies ist wichtig für mich, da ich gern bei einer Bank arbeiten möchten, bei der das Interesse des Kunden im Vordergrund steht. Ich hatte auch die Chance mich mit Maxi Mustermann, der Associate bei Rothschild ist, über die Kultur und das Arbeitsumfeld bei der Bank zu unterhalten. Ich weiß daher, dass Rothschild einen sehr kollegialen Umgang pflegt bei dem man schon früh Verantwortung übernehmen kann. Dies ist genau wonach ich suche und daher weiß ich, dass die Kultur bei Rothschild genau zu mir passt.


Beispiel 3: Boutique Beratung - Solon

Interviewer: “Warum möchtest du bei uns arbeiten? Mit ihrem Lebenslauf könnten sie doch auch zu den großen amerikanischen Beratungshäusern gehen”

Interviewee: “Vielen Dank für ihre Einschätzung und die Frage. Was mir an Solon gefällt ist der direkte Fokus eine Industrie und die Möglichkeit bereits als Junior auf Projekten tiefe Industrie-Expertise aufzubauen. Des weiteren halte ich es in der Beratung für essentiell, dass sich die Menschen hinter den Projekten gut kennen. Bei der aktuellen Größe von Solon kann ich mir gut vorstellen, dass es noch die nötige Kollegialität gibt, die bei den großen “Beratungs-Konzern” aufgrund der schieren Größe gar nicht mehr so gelebt werden kann.